Ernst Leitz
Hektor 2,8cm 1:6,3
"Hoopy"
für Leica M39 / LTM

Das erste "Ultraweitwinkel" für die Leica

Mit dem 2,8cm Hektor wurden die Einsatzmöglichkeiten der Leica noch einmal deutlich erweitert. Im Jahr 1935 standen so 13 Wechselobjektive in 9 Brennweiten von 28-400mm zur Verfügung. Bis ins Jahr 1958 sollte der mit dem 2,8cm Hektor, genannt HOOPY, möglich gewordene Bildwinkel von 76° (diagonal) unübertroffen bleiben.

In Augsburg mit HOOPY-CHROM aus dem Jahr 1935 auf einer zeitgemäßen Leica III. F11. ADOX CHS 100 II entwickelt in ADOX XT-3 1+1.
Das HOOPY ist ein absoluter Zwerg. Gerade einmal 12mm trägt es auf.
HOOPY-CHROM aus dem Jahr 1935 auf einer schwarzen Leica III mod.f.

Geschichte

Zum 10. Geburtstag der Leica wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse im Mai 1935 ein für damalige Verhältnisse extrem weitwinkliges Objektiv vorgestellt: Das Hektor 2,8cm. Mit einer Offenblende von 6,3 galt es als enorm lichtstark. Es übertraf damit deutlich die Konkurrenz aus dem Hause Zeiss, das Tessar 2,8cm 1:8 und lieferte schon bei Offenblende eine erheblich bessere Abbildungsleistung.

Die optische Konstruktion des Objektivs entstammt wieder einmal der Abteilung um Prof. Max Berek. Die mechanische Konstruktion mit Entfernungsmesser-Kupplung wird Wilhelm Albert zugeschrieben.

Ursprünglich war das 2,8cm Hektor nur mit vernickelter Oberfläche erhältlich und trug den Code-Namen HOOPY. Doch schon bei seinem ersten Erscheinen in den Katalogen (1936) taucht es sowohl in vernickelt als auch verchromt (dann unter der Bezeichnung HOOPY-CHROM) auf. Mitte der dreißiger Jahre wurden im Hause Leitz die ersten Objektive serienmäßig verchromt. Zunächst kostete das einen Aufpreis. Schon bald setzte sich die Verchromung durch und so sind nur ca. 200 vernickelte HOOPY in die Welt gesetzt worden. Diese geringe Stückzahl bedingt heute extrem hohe Preise.

Im Jahr 1955, also 20 Jahre nach Markteinführung trat der völlig neu konstruierte symmetrische 6-Linser Summaron 2,8cm 1:5,6 mit verbesserter Abbildungsleistung an die Stelle des Hektors.
Insgesamt wurden weniger als 10.000 Stück des 2,8cm Hektors hergestellt.

Abbildungsleistung

Klar ist, ein starkes Weitwinkelobjektiv wie das Hektor 2,8cm war für die damalige Zeit eine enorme Herausforderung. Ohne jeden Zweifel hat man in den vergangenen Jahrzehnten insbesondere im Weitwinkelbereich große Fortschritte erzielt. Über das HOOPY liest man nicht viel Gutes im Netz.

Was also kann dieser Winzling?

HOOPY-CHROM aus dem Jahr 1935 bei F18 auf einer schwarzen Leica III mod.f. ADOX CHS 100 II entwickelt in ADOX XT-3 1+1.

Ehrlich gesagt war ich ganz schön überrascht als ich die ersten Negative unter die Lupe genommen habe! Im positiven Sinn.
Das Hektor ist ein leistungsfähiges Weitwinkelobjektiv. Es ist verzeichnungsfrei und beeindruckend scharf.
Ab Blende 12,5 ist es scharf bis an die Ränder. Nur die äußersten Ecken werden interessanterweise ziemlich plötzlich unscharf, das klingt aber schlimmer als es ist, denn in sehr vielen Bildern fällt das nicht auf.
Weiter in Richtung F18 ändert sich nicht mehr wirklich etwas.
Bei Blende 9 ist die Schärfe erkennbar auf die Bildmitte beschränkt und die Unschärfe fällt eher mal ins Auge, es lässt sich aber trotzdem sehr gut damit arbeiten.
Auch bei Offenblende (F6,3) ist das Objektiv gut zu gebrauchen, ist man sich des Schärfeverlusts in der Peripherie bewusst.

Aufgenommen mit der oben abgebildeten Ausrüstung. F12,5 1/40s. ADOX CHS 100 II entwickelt in ADOX XT-3 1+1.

Über den gesamten Blendenbereich zeigt das Hoopy eine deutliche Vignettierung. Je nach Szene und Vorstellungen des Fotografen, kann das beides, stark stören oder die Bildwirkung unterstützen.
Wenn ich mit einem derartigen Objektiv losziehe, dann in der Regel um mit Ihm zu arbeiten, also mit seinen Eigenschaften kreativ zu arbeiten. Wer sich auf den Charakter alter Optiken einlassen kann, wird mit dem Hoopy viel Freude haben. Was die Abbildungsleistung angeht, wird man hier nicht im Stich gelassen!

Bildeindruck und Zeichnung

Stadtszenen und Parks bekommen mit dem Hektor eine historische Wirkung. Ich führe das auf zwei Dinge zurück: Erstens darauf, dass mein Hektor unvergütet ist. Dadurch kommt es zu keinem technisch perfekten Umgang mit starken Kontrasten. Konkret äußert sich das insbesondere in reduziertem Kontrast bei diffusen Gegenlichtsituationen. Das sieht ähnlich aus als wäre die Luft geringfügig dunstig, am ehesten so wie sehr dünner Nebel in der Morgensonne. Zweitens wird der historische Look durch die merkliche Vignettierung unterstützt.

Augsburg, diffuses Gegenlicht bei Sonnenuntergang. HOOPY-CHROM aus dem Jahr 1935 auf einer zeitgemäßen Leica III. F12,5 1/60s. ADOX CHS 100 II entwickelt in ADOX XT-3 1+1.
Augsburg in der Dämmerung.
HOOPY-CHROM aus dem Jahr 1935 auf einer zeitgemäßen Leica III. F9 1/20s. ADOX CHS 100 II entwickelt in ADOX XT-3 1+1.
Flares wie aus einer anderen Welt.
Das Forstgebäude der Technischen Universität München bei klarer Abendsonne. HOOPY-CHROM aus dem Jahr 1935 auf einer Leica IIIf. Ilford Delta 100 Professional entwickelt in ADOX XT-3 1+1.

Technik

Das 2,8cm Hektor besteht aus 5 Linsen in 3 Gruppen und stellt ein stark modifiziertes Triplett-Objektiv dar.
Ungewöhnlich ist, dass bei diesem Objektiv das der Kamera zugewandte Linsenglied größeren Durchmessers ist als das dem Objekt zugewandte.

Exakt 100g wiegt das HOOPY ohne Deckel und Sonnenblende.

Es verfügt über die alte Blendenreihe, welche von 6,3 bis 25 reicht.

Zubehör

Sonnenblende

Zum HOOPY gehört die Sonnenblende SOOHN aus schwarz lackiertem Messing. Da das Objektiv aufgrund seiner unvergüteten Natur heftige Flares auf den Film wirft ist sie sicher eine gute Idee und sieht ziemlich cool aus. Diese Sonnenblende hat allerdings einen Haken: Sie ist schwer zu bekommen und kostet ein Vermögen. 400-600€ sind ein üblicher Preis (Stand 06/2026). Das ist schon eine ganz schöne Investition. Befestigt wird sie mit der Leitz-typischen Klemmschraube und hält sich damit wenigstens sehr gut fest. Der HOOPY verdoppelt mit dem SOOHN seine Größe, ein Zwerg bleibt er trotzdem.

Gegenlichblende SOOHN auf HOOPY-CHROM auf einer schwarzen Leica III mod. f.

Sucher

Gleichzeitig mit dem 2,8cm Hektor ist auch ein entsprechender Spezialsucher auf den Markt gebracht worden - der SUOOQ. Es gibt ihn in schwarz (SUOOQ) und in silbern verchromt (SUOOQ-CHROM).
Der SUOOQ ist ein ziemlich cooler Sucher aber er hat den gleichen Haken wie o.g. SOOHN.
Hier gibt es einen eigenen Artikel zum Sucher.

SUOOQ, HOOPY und SOOHN auf schwarzer Leica III mod. f.
Der HOOPY ist zu klein für seinen Köcher

Köcher

Wie das bei Leitz üblich war, konnte man auch zum 2,8cm Hektor einen Rindsleder-Köcher bestellen. Der Köcher ist solide und für den Transport praktisch. Ich finde ihn allerdings nicht so wirklich gelungen, da das Hektor zu klein für diesen kleinen Köcher ist und lose darin liegt. Das ist natürlich ein lösbares Problem, wundert mich aber doch etwas. Leider ist der Köcher dann wiederum zu klein, als dass HOOPY mit SOOHN hineingehen würde. Während ich bei anderen Objektiven den Köcher zum Transport sehr praktisch finde, bleibt der des HOOPY meistens im Schrank und wäre damit für mich kein Must-Have.

Preise und Verfügbarkeit

Aufgrund seiner historischen Signifikanz in Verbindung mit der relativ geringen Fertigungszahl ist das Hektor 2,8cm 1:6,3 unter Sammlern und Leica-Enthusiasten begehrt.
Für ein optisch perfekt erhaltenes Exemplar sollte man mindestens 1200€ einplanen.
Ein etwas trübes HOOPY kann man mit Glück ab 800€ bekommen. Möchte man damit fotografieren, wird dann jedoch eventuell noch eine Reinigung nötig sein. (Preise Stand 06/2026)
Gut erhaltene Hektor 2,8cm tauchen regelmäßig bei Händlern und auf den bekannten Verkaufsplattformen auf und sind, vorausgesetzt man verfügt über die finanziellen Möglichkeiten, relativ gut verfügbar.

Da das HOOPY winzige Linsen hat, empfehle ich beim Kauf ein sehr genaues Auge auf die Optik zu werfen, da hier kleinere Schäden anteilig einen großen Effekt haben und zugleich diese Schäden auf den kleinen Linsen schwer zu erkennen sind. Wer mit dem HOOPY wirklich fotografieren will, dem rate ich im Zweifelsfall bei einem der wenigen seriösen Fachhändler oder, vielleicht sogar noch besser, einer Privatperson zu kaufen, die wirklich Ahnung hat. Ich möchte hier niemandem etwas vorwerfen, aber die Güte winziger Linsen einzuschätzen bedarf wirklich einem Auge fürs Detail. Seriöse Angebote haben in der Regel ihren Preis.

Zu einer schwarzen Leica mit vernickelten Bedienelementen, wie der hier gezeigten, würde selbstverständlich ein vernickeltes Hektor besonders gut passen. Hierfür muss man aufgrund der extremen Seltenheit mit wohlhabenden Sammlern konkurrieren und bereit sein Preise jenseits der 3000€ zu zahlen (Stand 06/2026).

Fazit

HOOPY und SUOOQ zusammen auf einer Barnack-Leica, das ist eine Ausrüstung die richtig Spaß macht!
Für die Vitrine? Viel zu schade.
Sie lädt ein zu experimentieren und kreativ zu werden.

Kompaktheit, Unauffälligkeit und Style machen dieses Setup zu einer idealen Begleitung auf Streifzügen durch die Städte dieser Welt...

Black Leica III with Hektor 2,8cm HOOPY-CHROM SOOHN Sunshade and SUOOQ Finder

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