KMZ Zenit
Russar 20mm 1:5,6
für Leica M39 / LTM

Ultra-Weitwinkel für die Schraubleica aus dem Jahr 1958


Pinakothek der Moderne, München
New Russar 20mm. Abgeblendet auf F16 ist das Objektiv recht scharf und die Vignettierung ist etwas gebändigt. Der Look gefällt mir ausgesprochen gut in Kombination mit stark gepushtem, körnigem Film. HP5 Plus auf EL1600 in Adox XT-3 1+1.


Das Russar wird als die Mutter aller modernen Ultra-Weitwinkelobjektive bezeichnet. Der Name Russar lässt einen direkt an eine russische Herkunft denken und tatsächlich stammt es aus dem heutigen Russland.
Trotzdem knapp vorbei! Denn der Name des Objektivs leitet sich von dem seines Erfinders, Mikhail Mikhailovich Rusinov, ab. Mikhail Rusinov war ein russischer Wissenschaftler, der sich viele Jahre der Konstruktion verzeichnungsfreier Weitwinkelobjektive, insbesondere für die Luftbildfotografie, widmete.

Altes Rathaus, München
Im Innenhof des Münchner Rathauses. New Russar bei Blende 13. HP5 Plus auf EL1600 in Adox XT-3 1+1.

Auf Basis seiner Erkenntnisse ist das Super-Weitwinkelobjektiv Russar MR-2 entstanden, welches im Jahre 1958 auf der Weltausstellung mit dem höchsten Preis, dem Grand Prix, ausgezeichnet wurde. Für diese Zeit war es beeindruckend weitwinklig und dafür noch sehr gut korrigiert und lichtstark.

Aus heutiger Sicht ist die Lichtstärke von 5,6 natürlich eher schwach und auch die Schärfe an den Bildrändern bei Offenblende sowie die Vignettierung hat man mittlerweile viel besser im Griff. Nichtsdestotrotz ist das Russar ein begehrtes Objektiv mit mehr als brauchbarer Optik und genialer Kompaktheit.

Beim Russar sitzt quasi die gesamte Optik in und nicht vor der Kamera - es ragt extrem tief hinein. Das macht es zu keiner guten Wahl auf digitalen Kameras, da das aus dem Objektiv extrem schräg austretende Licht von digitalen Sensoren sehr schlecht aufgenommen werden kann. So kommt es zu massiven Farbverschiebungen an den Bildrändern und einer heftigen Vignettierung. Auf Analogfilm verhält sich das Russar erheblich zahmer.

Großartig am Russar finde ich seine nahezu verzeichnungsfreie Abbildung bei dem extrem weiten Bildwinkel von 94°.
Übrigens ist das Russar das einzige 20 mm Objektiv überhaupt, das für die Schraubleica konzipiert worden ist! Somit ist es schon echt etwas Besonderes.

Versionen und Preise

Das Russar kam im Jahre 1958 auf den Markt - mit Leicas M39 Schraubanschluss. Alle mir bekannten Versionen sind mit allen Barnacks kompatibel.
Die alten, quasi "originalen" Russar MR-2 von Zenit in Krasnogorsk gibt es in schwarz und in silber. Häufig findet man diese in Kombination mit dem originalen Sucher, welcher brauchbar, aber nicht außerordentlich brillant ist. Diese Kombination bekommt man in gutem Zustand ab ca. 400€ (Stand 04/26).

Russar auf schwarzer Leica
New Russar auf einer schwarzen Leica III mod f. aus dem Jahr 1935 mit Zeiss 21mm Spiegelsucher.

Im Jahr 2014 wurde das Russar von der Firma Lomography in Kooperation mit Zenit in Krasnogorsk neu aufgelegt. Es ist mit geringfügig verbesserter Optik und Vergütung ausgestattet und trägt den Namen "New Russar +". Meine Erfahrungen und Analog-Fotos stammen von dieser Neuauflage.
Das New Russar ist nur in sehr geringer Stückzahl hergestellt worden und taucht entsprechend nur extrem selten auf Verkaufsplattformen auf. Neu kostete es 2014 knapp 700€.
Ich nutze mit meinem New Russar den 21mm Spiegelsucher von Zeiss, zu dem es hier einen eigenen Artikel gibt.

Fortschritt, München
München mit dem New Russar, hier bei Blende 9. HP5 Plus auf EL1600 in Adox XT-3 1+1.

Hinweise

Alle Versionen des Russar sind NICHT Entfernungsmesser-gekuppelt. Das wäre aber auch wirklich unnötig, denn die Tiefenschärfe bei 20mm Brennweite ist riesig.
Leider ist der Schärfebereich auf der Entfernungsscala deutlich zu großzügig angegeben. Das bedeutet, man tut gut daran, einen gewissen Sicherheitsabstand einzuhalten. Im Folgenden ein Beispiel:

Hauptbahnhof München mit dem New Russar + bei Blende 8. Laut Schärfentiefeindex wäre unendlich mit der angewandten Entfernungseinstellung noch scharf gewesen. Den riesigen Schärfebereich darf man nicht ganz für bare Münze nehmen. Selbstverständlich wäre es aber problemlos möglich gewesen das gesamte Bild scharf zu bekommen. Man hätte nur eben etwas weiter in die Ferne fokussieren müssen.

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