Ernst Leitz
Summarex 8,5cm 1:1,5
für Leica M39 / LTM

Höchste Lichtstärke bei 8,5cm Brennweite

Das Summarex ist ein sehr besonderes Objektiv! Es zeichnet unvergleichlich, harmonisch-charaktervoll. Die Aufnahmen ziehen einen mit Plastizität und Zartheit in ihren Bann.

Mit der extrem hohen Lichtstärke von 1:1,5 bei einer Brennweite von 8,5cm ist es ein Objektiv von beeindruckender Gestalt.
800g Glas und die solideste Haptik aller jemals gebauten Leica-Objektive.
Der Linsendurchmesser des Summarex ist das Maximum, das auf einer Schraubleica überhaupt möglich ist. Nur ein Millimeter mehr und der Entfernungsmesser wäre blockiert. Damit das Ganze überhaupt noch funktioniert, ist die Fassung der vorderen Linsen auf eine bemerkenswert schlanke Konstruktion angewiesen. Schaut man von vorne auf das Summarex wirkt das Objektiv wie ein dünnwandiges Rohr. Die Sonnenblende trägt Ausschnitte, damit man mit dem Entfernungsmesser hindurchsehen kann.
Beeindruckend ist auch die Linsenkonstruktion mit sehr stark gekrümmten Elementen.
Ja und wer schöne Irisblenden liebt, der kommt beim Summarex voll auf seine Kosten.

Charakter und Bildeindruck

Summarex 8,5cm bei Offenblende (F1.5). Aufgenommen auf Ilford Delta 100, entwickelt in ADOX XT-3 1:1.

Das Spannendste am Summarex ist natürlich die Zeichnung, der Umgang der Optik mit Schärfe und Unschärfe, mit Lichtern und Kontrasten.
Hier ist das Summarex einzigartig. Aber nicht aufgrund eines "Effekts", sondern durch seine stilvolle, reif und harmonisch wirkende Interpretation.
Vollständig geöffnet erzeugt das Objektiv ein verträumtes aber wohlstrukturiertes Bokeh voller Charakter, welches dennoch zurückhaltend bleibt. Die Zeichnung wirkt wie aus der Hand eines talentierten Malers.

Gerade bei Betrachtung der Aufnahmen in einem kleinen Format, bemerkt man einen subtilen Swirl im Hintergrund. In der geringfügigen Ausprägung wie beim Summarex sagt mir dieser sehr zu. Er betont das Motiv und erzeugt eine plastische Bildwirkung.

Die Schärfeebene ist äußerst dünn und stellt höchste Ansprüche an Fotograf und Entfernungsmesser. Hierfür bedarf es einer perfekt kalibrierten Leica. Belohnt wird man mit einem unvergleichlich zarten, emotional-einfühlsamen Bildeindruck.

Die Vignettierung ist bei Offenblende deutlich erkennbar, aber nicht extrem.

Das Objektiv ist aufgeblendet schon erstaunlich scharf, zeichnet aber durch reduzierte Mikrokontraste minimal weich, was für Portraits häufig wünschenswert ist.

Hier ein Ausschnitt aus obigem Bild. Die Schärfe im Zentrum ist auch bei Offenblende mehr als brauchbar. Das Bokeh ist sanft, aber kein Sumpf, anders als bei modernen Objektiven.
Ausschnitt rechts unten. In der Wiese wird die Zeichnung des Summarex besonders deutlich sichtbar.

Seinen Charakter bringt das Summarex bei F1.5 und F2 sehr schön zur Ausprägung. Stärker abgeblendet wird es zunehmend scharf und technisch perfekt, wie erwartet.

Summarex bei Offenblende. Adox CHS 100II entwickelt in XT-3 1+1.

Geschichte

Das Summarex war das erste super-lichtstarke langbrennweitige Objektiv der Welt und dabei bereits exzellent korrigiert. Es ist eine optische Meisterleistung und das Ergebnis jahrelanger Forschung der Arbeitsgruppe um Professor Max Berek.

Eingeführt während des Krieges, im Jahr 1943, war das Summarex bis Kriegsende dem Militär vorbehalten. Hierfür wurde es in einer schwarz lackierten Fassung gefertigt. Bis 1945 existierten lediglich 90 Stück.
Insgesamt wurden vom Summarex über einen Fertigungszeitraum von ganzen 23 Jahren gerade einmal 4300 Stück produziert. Es ist damit ähnlich selten wie das berühmte Portraitobjektiv Thambar 90cm 1:2,2.

Häufig wird behauptet, das Summarex sei das erste vergütete Objektiv von Ernst Leitz gewesen. Das ist jedoch so nicht korrekt, denn die ersten Objektive wurden bei Ernst Leitz im Jahr 1941 vergütet (Das waren das Summitar und das Elmar 5cm). Das Summarex kam aber ja erst 1943 auf den Markt.
Richtig hingegen ist, dass das Summarex das erste von Anfang an vergütete Objektiv von Ernst Leitz war. Es war also als erstes Objektiv ausschließlich vergütet erhältlich.

Summarex 8,5cm mit Spezialsucher SGOOD auf einer Leica III mod. f.
Größe ist relativ. An einer Barnack montiert wirkt das Summarex monströs (s.o.). Wenn man sich ein DSLR-Objektiv japanischer Produktion daneben vorstellt, ist es doch eher klein. Schwer ist es trotzdem.

Preise und Verfügbarkeit

Das Summarex ist nicht gerade ein günstiges Vergnügen! Das war es auch nie. Im Jahr 1954 kostete es fast so viel wie zwei Leica IIIf mit Vorlaufwerk! Heute sollte man für ein gut erhaltenes Exemplar 2500-3000€ rechnen (Stand 06/26).

Wichtig ist, dass das Objektiv im Inneren möglichst klar ist, d.h. dass es keinen Nebel hat. Sonst ist mit deutlichen Kontrasteinbußen und ausblühenden Lichtern sowie reduziertem Schärfeeindruck zu rechnen.

Ich würde auf das Vorhandensein der Sonnenblende großen Wert legen. Als Zubehör empfehle ich den hervorragenden Spezialsucher SGOOD, zu dem es hier einen eigenen Artikel gibt.

Ich nutze mein Summarex mit einem UVa Filter von Ernst Leitz um die empfindliche Frontlinse möglichst nicht putzen zu müssen. So kann ich es freier verwenden, ohne mir allzu viele Gedanken machen zu müssen.
Das Problem an dem Filter ist, dass er einen minimal größeren Außendurchmesser aufweist als die Objektivfront. Somit kann man mit eingeschraubtem Filter die Sonnenblende nicht mehr einfach abnehmen um sie für den Transport andersherum aufzustecken. Das ist natürlich keine erträgliche Lösung, also habe ich die Messingfassung des Filters um ein paar zehntel Millimeter abgetragen. Jetzt ist das ein System, das einer Leica würdig ist.

Versionen und Ausstattung

Wie bereits im Abschnitt Geschichte erwähnt, war das Summarex zu Kriegszeiten, also in den ersten Fertigungsjahren, mit Schwarzlack beschichtet worden. Ab 1946 war es ausschließlich verchromt erhältlich. Die schwarze Version ist bei Sammlern beliebt und erreicht Preise von 9000€ und mehr (Stand 2026).

Das verchromte Summarex gab es über die Jahre in etlichen minimal unterschiedlichen Versionen, die für den Fotografen aber irrelevant sind, von daher gehe ich darauf nicht im Detail ein. Sie betreffen zum Beispiel das Design der Markierungen.
Rein technisch, also was die Glassorten, den Schliff und die Vergütung anbelangt, sind alle Summarex identisch.

Das Summarex wurde nur für Schraubleicas hergestellt, also nie mit M-Bajonett. Es ist trotzdem nicht ganz ein Privileg der Barnack-Leicas, denn über einen Adapter kann man die Optik ohne Probleme auch auf denjenigen M-Kameras verwenden, die über eine anständige effektive Messbasis verfügen (M3).

Interessant ist noch die ästhetische, aber auch technisch ausgefeilte Sonnenblende des Summarex. Ausgefeilt ist ein gutes Stichwort, denn sie verfügt über sehr großzügige Ausschnitte um den Entfernungsmesser möglichst nicht zu beeinträchtigen. Der vordere Teil der Sonnenblende, also der eigentliche Schirm, hält sich über waghalsig filigrane Stege an der Fassung fest. Schützend wirkt hier eindeutig der hohe Preis sowie die Seltenheit des Summarex.

Bei sehr frühen Versionen wird die Gegenlichtblende aufgesteckt und mit einer kleinen Klemmschraube befestigt. Später (das betrifft fast alle Summarex, auch das hier gezeigte) wurde die Blende so gestaltet, dass sie nach dem Aufstecken durch eine kleine Drehung über eine Art Bajonett-Verschluss befestigt wird. Bei einer derart großen Gegenlichtblende ist das eindeutig die elegantere Lösung.

Viel Glas und ein wenig Messing - ein Meisterstück von Ernst Leitz.
Aufzufallen ist als Fotograf nicht Teil meines Plans, aber wer unbedingt angesprochen werden will, kann die Sonnenblende in "Transportposition" zum Einsatz bringen. Das sieht schon crazy aus.
Hier mit Sonnenblende im einsatzbereiten Zustand. Für die Nutzung auf einem Stativ verfügt das Summarex über ein eigenes Stativgewinde, hierfür der Block unten, nahe des Kameraanschlusses.

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